Werkstatt Gröninger Hof
Neue Gröninger Straße 12
20457 Hamburg

Follow Soyuz Apollo @  insta / yt  / fb

Vorschau

19. November 202, 20 Uhr2
#6: Held für einen Tag 

David Bowies Berlin Phase in den 70er Jahren ist gut durchleuchtet und aufgearbeitet. Seine Berlin Phase in der sich als Heimkehrer des ersten Weltkriegs, unter anderem als Gigolo verdingt und ungeplant zum Helden wird, weniger. Sie hat auch nur in einem Film stattgefunden. Seine Rolle darin beschrieb er 1979 so: „Ich trage die ganze Zeit ein Schwein durch die Gegend und am Ende sterbe ich.“. Der Film war bei seinem Erscheinen im Jahr 1978, trotz aufwendiger Produktionsbedingungen und einem unglaublichen Staraufgebot, kein Erfolg. Weder an der Kinokasse, noch bei der Kritik, konnte er punkten und Bowie selbst mochte ihn wohl auch nicht. Was im Wikipedia-Artikel als „streiflichtartiges Gesellschaftspanorama der Weimarer Republik“ noch Interesse wecken kann, wird im Lexikon des internationalen Films als konfuses, stilloses und banales Spektakel bezeichnet.
Die kulturbeflissene Historikerin Myriam Richter sieht das, wie die Veranstalter von Soyuz Cinema, völlig anders. Warum, wird sie uns in einer Einführung zum Film bestimmt erklären.
Aus unserer Sicht handelt es sich nämlich um einen zu Unrecht geschmähten Film, der tolle Bilder und Symbole für eine eigentümliche Phase der deutschen Geschichte gefunden hat. So findet eine künstlerische Reflexion von Historie statt, die nach jahrzehntelanger Gewöhnung an deutschen Schicksals- und Nostalgiekitsch, vielleicht sogar frischer wirkt, als damals bei der Erstaufführung.
Und wie schön es ist, all den verstorbenen Pop-Ikonen darin begegnen zu dürfen. Selbst Marlene Dietrich hatte dafür, nach 15 Jahren Leinwandabstinenz, einen letzten Auftritt. Eine „Auferstehung der Toten“, wie Myriam Richter sagt.


Das ganze Spektakel wird in wunderschönen Farben auf 16mm und in der englischen Exportfassung aufgeführt. Vorab gibt es eine Trailershow auf Super 8.
Einlass: 19:30

Eindrücke

Rückblick

24. bis 29. Oktober 2022
SOYUZ VIDEO

Die Videothek im Kinofoyer des METROPOLIS KINO

Der Hamburger Medienkünstler Thorsten Wagner installiert eine Videothek im Kinofoyer!
Die Besucher:innen sind dazu eingeladen, zusammen mit ihm als Videothekar, selbst in die Mediengeschichte einzutauchen. Vor Ort können sie ihr persönliches Kassetten-Programm auf VHS zusammenstellen und auf einem Röhrenfernseher genießen — ganz als wäre es das Jahr 1982.
Thorsten Wagner verfügt mit seinem fiktiven Kollektiv »Soyuz Apollo« über ein Archiv mit über 4.000 Exemplaren diverser Träger u. a. der Formate VHS, Betamax, Video 2000. Seine Maxime lautet »Handlung ist Konzept«. Bei Soyuz Video bedeutet das: »Werden Sie ihr eigener Programmdirektor mit dem Videoprogramm Ihrer Wahl.«
Die Videothek im Kinofoyer ist vom 24.— 29.10. täglich parallel zu den Vorstellungen im Saal geöffnet. Die angegliederte Fernsehecke bietet Platz für 4 Personen und kann unter 0163/8320378 oder soyuz.video@soyuzapollo.org zu einer individuellen Uhrzeit während der Öffnungszeiten des Kinos reserviert werden. Aufenthaltsdauer in der Videothek bis ca. 2 bis 2,5 Stunden.
Eröffnung am 24.10 um 18:30

Gefördert durch die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte.

02. Juli 2022, 20 Uhr
#5: München gammelt

Einlass ab 19:30

Haschbenebelte Abhänger*innen beim Cornern in München / Drei irre, dufte Dokumentarfilme auf 16mm / 129 Min. Gesamtlänge / Deutsche Originalfassungen

In den 60er und frühen 70er Jahren war München ein Magnet für junge Menschen, die sich in Protestkulturen und unkonventionellen Lebenskonzepten ausprobierten. In Abgrenzung zur Mehrheitsgesellschaft lebten sie in den Tag hinein - ohne festen Ziele, ohne feste Arbeit und zum Teil ohne festen Wohnsitz. Sie prägten vor allem den Stadtteil Schwabing, indem sie dort herum lungerten und musizierten. Ihre Erkennungsmerkmale waren lange Haare, Bundeswehrparkas, Blumen, Hasch und Gitarren. Die Abgrenzung funktionierte dabei so gut, dass Sie vom konformen Teil der bundesdeutschen Öffentlichkeit mit der abwertenden Bezeichnung „Gammler“ belegt wurden. Sie galten als ungepflegt, arbeitsscheu und asozial. Sie selbst bezeichneten sich eher als Beatniks, Wehrdienstverweigerer oder Hippies. Neben einigen optischen Erkennungsmerkmalen, schien diese Subkultur jedoch vor allem durch eine gewisse Ratlosigkeit zu bestechen. Genau davon erzählen die Dokumentarfilme dieses Programms.

20th June 2022, 8pm
Ocean without Fish

A COOPERATION WITH ANALOGFILMWERKE (www.shootfilm.de.de)

Ocean Without Fish is a film program curated around lifelines, shorelines, and heartbreak debris. The runoff of destructive pasts as they form new paths. Atom bombs, addiction, love, and land art. Connections are made wading in any direction.

With films by Ryan Clancy, Krister Larson, Sally Lawton, Grace Mitchell, Sara Sowell, and Sofia Theodore-Pierce

Guest: Grace Mitchell


Doors open at 7:30 pm. Reservation possible via: cinema (at) soyuzapollo.org

18. Juni 2022
#4: Wir sind keine Engel, Schätzchen 

Ein magnetisierendes 60er Jahre Programm auf 16mm, mit einem Spiel- und zwei Kurzfilmen /
125 Min. / Deutsche Originalfassungen


Helga, Gisela und Katja, so heißen die Protagonistinnen der gezeigten Filme, wollen raus aus ihrem Alltag. Kein Wunder, denn was er ihnen zu bieten hat, ist nicht unbedingt prickelnd. Vor allem nicht für jene junge Frauen, denen der Sinn nach Freiheit, Lust und Abenteuer steht. Und für die Rollen, die sie bisher verkörpern ("Unschuld vom Land", "brave Angestellte" oder "treuer Engel"), ist in den fortschreitenden 60er Jahren der Zug so langsam abgefahren. Also rein in denselben und ab nach München, da wo die Bohème sich ausprobiert und das dufte Leben tobt. Oder wenigstens ins Kino, wo auf den Leinwänden zur Abwechslung auch die Dame den Ton angeben darf.
In der Realität hingegen, lässt nämlich das männliche Gehabe nur wenig Platz für ihre Bedürfnisse. Das ist leider auch 1967 in den Schwabinger WGs der gammelnden Nonkonformisten noch so. Dabei will Katja mit ihren 19 Jahren doch nur mal endlich Sex haben, während ihr fester Freund in der fränkischen Provinz treu auf sie wartet.

Das Programm findet am 2.7. eine thematische Fortsetzung mit Soyuz Cinema #5: München gammelt.
Einlass ab 19:30. Reservierung möglich unter cinema (at) soyuzapollo.org

21. Mai 2022, 20 Uhr
#3: Schlechter Film

Super 8 Spielfilm mit Einführung und Trailershow / in der englischen Originalfassung

Jahrzehntelang galt er als der schlechteste Film aller Zeiten. Seit einigen Jahren macht ihm „the Room“ von 2003 diesen Titel jedoch streitig. Aber was ist „schlechtester Film“ überhaupt für ein Prädikat? Objektive Kriterien scheint es dafür ja wohl kaum zu geben. Und worin liegt der Reiz, sich bewusst einen Film anzuschauen, wenn er doch bekanntermaßen schlecht ist?
Daniel Kulle war diesem Phänomen 2012 mit seiner Doktorarbeit „Ed Wood: Trash und Ironie“ auf der Spur. In einer Einführung zum Film, kann er uns mit diesen Fragen vielleicht weiter helfen und damit auf einen ambivalenten Filmgenuss vorbereiten. Und wenn die Wissenschaft nicht weiter hilft, dann müssen wir eben, mit der impulsiven Freude am Trivialen, die Qualitätsmerkmale dieses ehemals schlechtesten Films aufspüren.


Einlass ab 19:30 nach geltenden Covid Bestimmungen. Reservierung unter cinema (at) soyuzapollo.org.

7. Mai 2022, 20 Uhr
#X: ATOMKRIEG - Überleben sinnlos

Ein verstörendes Doppelprogramm auf 16mm // mit faktenbasierten Atomkriegs-Fiktionen in dokumentarischer Deutlichkeit // in einer Länge von 75 Minuten und in deutscher Sprache.

Da eine überwunden geglaubte Gefahr, durch Nuklearwaffen und Weltkrieg III, etwas mehr in die Dimension des Möglichen gerückt ist, kann Realität momentan besonders beunruhigend sein.
Was ein Atomkrieg  bedeutet und welche Konsequenzen er mit sich brächte, gehört allerdings nicht unbedingt zum vordersten Allgemeinwissen. Wäre es nicht hilfreich, sich der Drastik dieses Szenarios von der faktischen Seite zu nähern, um eine umfassende Aufklärung zu betreiben und dadurch umso entschiedener davor zu warnen?
In heißen Zeiten des kalten Kriegs, haben die beiden Filme des Programms genau das versucht. Das Resultat war jedoch, dass die darin durchgespielten Realitäten, als zu verstörend und hoffnungslos empfunden wurden, um sie im geplanten Umfang öffentlich zu zeigen. Einer der Filme blieb sogar für 20 Jahre weitgehend unter Verschluss. Er gilt heute als Meisterwerk des Antikriegsfilms und als eine der besten britischen TV-Produktionen aller Zeiten. Und beide Filme können uns, vielleicht gerade heute, noch sprachlos und verstört zurücklassen. 


Einlass ab 19:30 nach 3G. Wegen der Covid-Kontrollen ist leider kein Einlass nach Veranstaltungsbeginn möglich. Reservierung empfohlen unter cinema (at) soyuzapollo.org.

02. April 2022, 20 Uhr
#2: Falsches Abteil

Mit dem Überschreiten des Abstands zwischen Zug und Bahnsteigkante, wird ein Raum betreten, in dem eine gewisse Zeit mit Fremden zugebracht werden muss - „Vorsicht, die Türen schließen“.
In den Filmen des Programms, führt dies zu bedrohlichen Situationen für einige der Passagiere im Nah- und Fernverkehr. Stellvertretend für eine ganze Gesellschaft, mögen sich die Reisenden fragen, woher diese Bedrohung plötzlich auftaucht und vor allem, wie denn damit umzugehen sei. Schließlich gilt es erst einmal unbeschadet der Gefahr zu entkommen.

Hauptprogramm: Ein grandios besetzter Thriller im schönstem 16mm schwarzweiß – zu Unrecht fast vergessen (USA 1967, 107 Min., Deutsche Fassung).

Vorprogramm:
Das Setting ist fast identisch zum Hauptfilm. Doch statt im Großraumwagen des Nahverkehrs, spielt es in der intimen Enge eines Abteils im Fernzug. So genügt hier auch nur ein Soziopath, um Angst und Schrecken zu verbreiten (YUG 1974, 14 Min., Deutsche Fassung).



Einlass ab 19:30 nach 3G. Wegen der Covid-Kontrollen ist leider kein Einlass nach Veranstaltungsbeginn möglich. Reservierung unter cinema (at) soyuzapollo.org.

17. Dezember 2021, 20 Uhr
#1: Super 8 Clipfieber 

Zum Auftakt von Soyuz Cinema wird die Werkstatt Gröninger Hof zum
erweiterten Wohnzimmer – samt Leinwand und Projektor.

An dem Super-8-Abend unternimmt Soyuz Apollo einen Streifzug durch
sein Archiv und zeigt daraus Clips, kurze Filme und Kompilationen.
So gibt es einen irren Einblick in obskure Nischen des Formats, in denen
viel Schönes und viel Merkwürdiges produziert wurde. Neben dem
Privat- und Amateurfilm kommen u.a. Trailer, Musikclips,
dokumentarische Formate und Kurzfassungen auf die Leinwand
– ein audiovisueller Trip zwischen Nostalgie, Medienhistorie und
Sensationslust.


Einlass ab 19:30 nach 2G. 
Reservierung empfohlen unter cinema (at) soyuzapollo.org


SOYUZ APOLLO
Billhorner Brückenstraße 40
20539 Hamburg